22. März 2010

Der Herr der Fliegen


Kurz entschlossen habe ich gestern mittag 3 Karten für das Theaterstück der Jugendgruppe der Freilichtbühne Porta ergattert, nachdem ich beim Frühstück relativ entsetzt wahrgenommen habe, dass dieses Stück nur in dieser Woche aufgeführt wird.

Die Winterstücke der Goethe-Freilichtbühne werden immer in unterschiedlichen Räumlichkeiten aufgeführt. Diesmal ist der Veranstaltungsort das "Theater" im E-Werk an der Hermannstraße in Minden und eigentlich nur anhand der Zuschauer zu erkennen, die vor dem Gebäude rauchend auf den Beginn der Vorstellung warten. :-D

Bei dem "Theater" handelt es sich um eine Art Hörsaal in einem der weitläufigen Gebäudeanlagen der Diakonie, wenn ich die Schilder am Eingang richtig gedeutet habe.

Die Jungs jedenfalls haben super gespielt.
Die Charaktere waren hervorragend und sehr glaubwürdig besetzt. Die Sympathieträger waren schon von vornherein zu erkennen und die Aggressoren der Gruppe waren spätestens nach ihrem ersten Satz zuzuordnen.
Meinen ausgesprochenen Respekt an den Nachwuchs.

Oft genug war ich aber in diesem schwierigen Stück gefesselt, auch wenn ich die Inszenierung als solche etwas hektisch fand.
Bei jeden Szenenwechsel wurde der "Berg" der Insel gedreht, um durch seine verschiedenen Ansichten die verschiedenen Schauplätze darzustellen. Im Klartext:
Die Jungs haben ein paar Sätze gesagt, Licht aus, Berg drehen, neue Positionen einnehmen, Licht wieder an, weiter geht´s im Stück.
Mit ein wenig ausgefeilterer Lichttechnik wäre der Ablauf des Stückes sicherlich etwas ruhiger gewesen, ohne dabei die Dynamik des Stückes an sich zu stören.
Aber sei es drum.
So jedenfalls wurde auch dem letzten Zuschauer klar, wann sich die Jungs auf welcher Seite der Insel befanden.
Des Weiteren hätte ich noch die Akkustik der Räumlichkeiten zu bemängeln.
Bedingt dadurch, dass das Stück auf einer provisorischen Holzbühne gespielt wurde, waren die "Kriegstänze" der Jungen unglaublich laut.

Empfehlenswert finde ich dieses Stück aber allemal. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es bereits im Jahre 1954 geschrieben wurde und sich im Sozialverhalten seitdem trotz aller Änderungen im Erziehungsbereich herzlich wenig getan hat, wenn man in der Presse liest, wie sich manche (!!!) Jugendliche verhalten. Auf der Insel des Herrn der Fliegen gilt jedenfalls ausschließlich das Recht der Stärkeren.

Sehr niedlich fand ich übrigens eine alte Dame, die rechts neben mir saß.
Immer, wenn es spannend wurde, hat die süße Oma sich an ihrer Handtasche festgekrallt und mitunter auch heftig vor Schreck gequitscht, wenn die Jungs es allzu heftig auf der Bühne trieben.

Wer den "Herrn der Fliegen" in dieser Woche noch sehen möchte, sollte also schnell online buchen, denn erfahrungsgemäß sind die Plätze relativ rar.
Und wer eine professionelle Kritik zu diesem Stück lesen möchte, findet diese beim Mindener Tageblatt (Link).

Kommentare:

thecoyote hat gesagt…

Ich sag nix. Ich sag nix. Ich sag nix. Weder über politische Sayteme noch über entsetztes Quietschen, wenn es auf der Bühne heftig getrieben wird. Ich sag nix. Ich bin ganz artig. Immer.

Coyote
(der sich aufgrund der blöden Kommentar-Popus nicht mehr anmelden kann)

Perle hat gesagt…

Aaaach... Dann sagst Du es mir eben Freitag in persona.
Es würde mich nämlich schon interessieren, was Du über die politischen Systeme (?) bezgl. dieses Stückes und quitschende Großmütter zu sagen hättest.

Was das "blöde Pop-Up anbetrifft, sage ich nur: Gleiches Recht für alle. Ich kann bei Dir auch nicht als Perle mit der Plauderstunde schreiben. :-P

thecoyote hat gesagt…

Ha. Gewusst wie. :]

Und nö, dazu werde ich auch Freitag nichts sagen. Hat auch nicht wirklich etwas mit dem Stück zu tun.

(Ups. "Sayteme"? Ja, Systeme.)