29. Oktober 2009

Ich, Nofretete

Wenn ich ein Buch in die Finger bekomme, läuft das normalerweise so ab:

"Ein Buch? Mit Buchstaben drin? Her damit!"
Und schwupps ist Frau Perle für die nächsten 1 bis 2 Tage so beschäftigt, dass man sie in ihrer Freizeit am besten nicht anspricht, weil sie sowieso nichts hört, so mit ihrer Nase hinter dem Buchrücken versteckt.

In diesem Fall, also besser gesagt in Nofretetes Fall, ist das aber mal gar nicht so.
Ich meine....
...ich stricke lieber als das ich lese. Hallo?

Ich, Nofretete soll eine Roman-Biografie sein, die sich auf angeblich selbstverfasste Tagebücher der Nofretete stützt.
Eigentlich sollte es einem grundsätzlich zu denken geben, wenn ein Mann aus der Ich-Perspektive einer Frau erzählt.

Die wenigsten Frauen die ich kenne, sind vom puren Anblick ihrer Sklavin derart verzückt, dass sie sie direkt auf die Matratze hinter den Moskitonetzen zerren, weil sie gerade nichts besseres zu tun haben und die Sklavin so willig aussieht. (Mal abgesehen davon, dass ich niemanden kenne, der überhaupt Sklaven hätte ;-) und das Buch keinen Erotikroman darstellen soll.)
Eher liest sich das Buch wie das Wunschdenken eines Mannes, gemessen an der Häufigkeit, mit der Nofretete die feuchten Lippen und Augen ihrer Sklavin bemerkt und betont oder wie sie sie gleich ins Bett des ihr (mittlerweile) angetrauten Pharaos schickt, nur weil sie als Frau Pharao gerade schwanger und somit unantastbar ist.

Hätte ich mal auf meinen Instinkt gehört. Das konnte nichts werden. Es hilft dem Buch auch nicht, dass gleich zwei Frauen die Übersetzung für den Herrn Zacco geschrieben haben.
Allein die Wortwahl lässt mich spätestens nach einer Seite in den Schlaf fallen. Sowas von unspannend habe ich ewig nicht mehr gelesen.

So sitze ich nun seit 14 Tagen vor diesem Buch, hin- und hergerissen zwischen dem Pflichtgefühl gegenüber einem angefangenen Buch und der ständigen Versuchung, es einfach aufzugeben.

Soviel Robert Zacco auch von Ägypten verstehen mag - von Frauen versteht er anscheinend nicht viel.

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