15. September 2009

Schöne Scheine

Das graue Wetter da draußen lud heute geradezu dazu ein, endlich meine letzte Terry Pratchett- Neuerwerbung zuende zu lesen.

Ich persönlich finde ja, dass Scheibenwelt-Romane, die in Ankh-Morpork handeln, zur Pflichtlektüre in der Oberstufe erklärt werden müssten.

Man bekommt ganz unauffällig und beiläufig beim Lesen dieser Bücher Dinge erklärt, die zu unserem täglichen Leben gehören, so dass man eigentlich gar nicht merkt, dass etwas erklärt wird und hat jede Menge Spaß dabei. Zusagen mit erhobenem Zeigefinger, der als Nasebohren getarnt wird.

Schöne Scheine z.B. sollte man - auch wenn es jetzt ausnahmsweise mal nicht von Andreas Brandhorst in gewohnt überspitzt witziger Weise übersetzt wurde, sondern ein klitzekleines bißchen nüchterner von Bernhard Kempen - tatsächlich mal in VWL lesen. Ich meine, wo sonst wird einem das Bankwesen so schön über einen Vampir, einen richtigen Gauner, Golems und Igors erklärt?

Als Beispiel zitiere ich mal folgende Zeilen von Seite 159, Schöne Scheine, Taschenbuchausgabe:

„>>Hör mal, wie war noch gleich diese Regel des Geldverleihens? Ich habe irgendwann mal davon gehört. Dabei geht es um die Bankzinsen.<<

>>Meinst Du mit >Borge dir mit anderthalb, verleihe mit zwei, geh nach Hause mit drei>?<<

>>Richtig! Darüber habe ich nachgedacht. Wir könnten diese Zahlen doch ein wenig verringern.<<

>>Wir sind hier in Ankh-Morpork! Eine Bank muss eine Festung sein. Und das ist teuer!<<

>>Aber wir könnten sie doch ein wenig ändern, nicht wahr? Und wir bezahlen keine Zinsen für Konten, auf denen weniger als hundert Dollar liegen, richtig?<<

>>Ja, so ist es.<<

>>Also, von heute an kann jeder ein Konto mit fünf Dollar eröffnen, und wir fangen schon viel früher an, Zinsen zu zahlen. Damit dürften die Buckel in den Matratzen etwas flacher werden, nicht wahr?<<

>>Meister, ich protestiere! Das Bankgeschäft ist kein Spiel!<<

>> Falsch, mein lieber Herr Beuge. Es ist ein sehr altes Spiel, und es heißt:>Womit kommen wir ungestraft durch? < <<


Im Grunde geht es darum, dass das Bankwesen von Ankh-Morpork den Bach runtergegangen ist, die Leute ihr Gold lieber unter der Matraze horten, so dass sie mit den Nasenspitzen schon fast an der Zimmerdecke schlafen müssen, oder die Münzen werden in Socken aufbewahrt (und mit getragen), anstatt es irgendeiner Bank anzuvertrauen. Denn die Bank nimmt bis dato nur Gold von Leuten an, die ohnehin mehr als genug davon haben, und verleiht Dollar selbstredend nur an Menschen, die vor so einem soliden finanziellen Hintergrund stehen, dass sie sich an und für sich gar nichts leihen müssten ( und sogar dann vielleicht wieder ohne Leiter aus dem Bett kämen).

Dem soll Feucht von Lipwig, ein liebenswerter Schurke und Erzählkünstler, ein Ende bereiten und frischen Wind in das Finanzwesen bringen, indem Feucht vom Patrizier der Stadt als stellvertretender Bankdirektor eingesetzt wird. Der eigentliche Bankpräsident ist tatsächlich ein kleiner sabbernder Hund, der im Ablagekorb seines Stellvertreters wohnt.


Ich hoffe, ich habe Euch jetzt ein klein wenig Appetit gemacht.

Viel Spaß beim selber Lesen...




Kommentare:

thecoyote hat gesagt…

Hab ich schon. Ich warte ja verzweifelt auf irgendwas neues, falls noch etwas in der Pipeline ist...



Hunger. *grummel*

Perle hat gesagt…

@Coyote:*ggg* Ist das Deine Art zu fragen, was denn mit unserer Mittwoch-Verabredung ist?

thecoyote hat gesagt…

Öhm? Nö, da gehe ich schon davon aus, dass Ihr Euch meldet. :) Ich meinte das wirklich auf Scheibenweltbücher bezogen.

/me ist doch immer artig.

thecoyote hat gesagt…

Und verwirrt - so verwirrt, dass ich meinen eigenen Nachsatz nicht sehe. Ich hab doch immer Hunger. :)

Perle hat gesagt…

Coyoten, den kannst Du doch jetzt erst einmal ausgiebig in Dänemark mit dem weltleckersten Fleisch stillen.
Ich wünsche Euch einen schönen Urlaub.