11. September 2009

Manchmal denk ich, ich tick nicht richtig...

Wenn ich meine Redensweise mal so objektiv betrachte, fällt mir auf, dass ich mithilfe einer Menge Film- und Buchzitate zu kommunizieren versuche (also im wahren Leben).

Aufgefallen ist mir das neulich wieder bei unserer Tierärztin, der ich ziemlich belustigt erzählt habe, unser Hund würde lächeln wie Grinsi Kleinpo*. Erst, als sie mich mehr als erstaunt ansah, fiel mir auf, dass sie evtl. nicht das Buch „Der fünfte Elefant“ von Terry Pratchett gelesen haben könnte und somit mit diesem Vergleich rein gar nichts anfangen konnte.

Gestern z.B. frotzelten wir bei Frau Merkels Auftritt sehr belustigt, dass vorne (Bühne) die „judäische Volksfront“ und hinten (Demonstranten) die „Volksfront von Judäa“ stände.
Ich fürchte, solche Vergleiche finden auch nur Menschen, die „Live of Brian“ gesehen haben, komisch.

Wenn ich im Auto mal wieder völlig unmelodiös vor mich hinsumme und einer meiner Familienmitglieder das mit „Nicht singen!“ zu unterbinden versucht und meine Antwort darauf (ausgleichende Paddelbewegungen nachahmend) „Einfach schwimmen, einfach schwimmen... la-lalalaaaa.“ lautet, werde ich so langsam die Befürchtung nicht los, dass ich irgendwann noch einmal für verrückt erklärt werde.
Bin ich normal, bin ich verrückt?

Gerne passiert es mir auch, wenn ich irgendwo unterwegs ganz unvermittelt ein "Paul" höre. Dann frage ich mich sofort "Wer ist eigentlich Paul?". Oder wenn jemand mit sich selbst zufrieden sagt: "Ich will so bleiben, wie ich bin." Noch bevor ich meine Zunge im Zaum halten kann, flutscht mir ein (meistens nicht zu überhörendes) "Du darfst" über die Lippen. Ich bin also nicht nur film- und buch-, sondern obendrein noch werbungsgeschädigt.
Das Gefühl, das ich habe, wenn ich solche Antwortsätze nicht von mir geben könnte, ist nur mit dem Hören einer Tonabfolge (beispielsweise einer Tonleiter) zu vergleichen, bei der der letzte Ton vergessen wird und man unablässig "doooo" vor sich hin summt.

So gesehen, komme ich mir manchmal vor wie in meinem eigenen Insiderwitz. Zum Glück gibt es aber mittlerweile genug Menschen (allen voran mein Göttergatte), die meine Film- und Buchneigungen kennen und/oder teilen, um zu verstehen, was ich da vor mich hinsabbele.
Dafür an dieser Stelle einmal meinen herzlichen Dank.

*
Grinsi Kleinpo ist eine Zwergin auf der Scheibenwelt. Zwerge sind dort geschlechtlich für Außenstehende nicht voneinander zu unterscheiden, weil beide Geschlechter starken Bartwuchs haben und diesen auch stolz zur Schau tragen.

1 Kommentar:

thecoyote hat gesagt…

Die Popkultur mit ihren Jüngern und Verweigerern... ;)