30. September 2009

Geiz ist ungeil

Seit Jaaaahren rege ich mich ja schon darüber auf, dass die Leute ständig auf Schnäppchenfang sind und dazu gerne (auch) im Internet kaufen, weil man über das Netz (logischerweise) häufig deutlich günstiger einkaufen kann.

Der Verkauf über das Internet ist deshalb günstiger, weil der Verkäufer weder ein Ladenlokal (gerne auch mal im 1A-Bereich der jeweiligen Stadt mit horrend hohen Mieten) mieten muss, er muss kein fachkundiges Personal bezahlen, keinen Laden heizen und keine Überschussware mit einkalkulieren.
All die genannten Voraussetzungen erzeugen Kosten, die der Ladeninhaber mit in den Preis kalkuliert, welcher zwangsläufig höher sein muss als der des Internetverkäufers.

Natürlich kaufe und verkaufe ich auch gerne bei EBAY.
Allerdings mache ich mir diese Arbeit vorzugsweise dann, wenn ich gerne etwas hätte, was ich hier bei uns nicht bekomme (Wobei es in letzter Zeit nicht schwer ist, in Minden etwas nicht zu bekommen).
Wenn ich etwas über EBAY versteigert habe, dann nutze ich den Erlös in aller Regel dazu, mir einen anderen Wunsch zu erfüllen.
Klingt logisch, ist es auch.

Worauf ich aber mit meiner Knötterei hier hinaus will ist die Tatsache, dass ich mir gerade mal wieder einen Knoten in den Bauch ärgere, weil es diese Geiz-ist-geil-Manie endlich geschafft hat, unseren Einzelhandel für Gebrauchsgegenstände fast endgültig auszurotten.

Früher hatten wir hier bei uns z.B. einen Laden, der von der Nähnadel über Bohrmaschinen, Kochtöpfe, Waschmaschinen, jedes kleine Einzelteil für einen Dampfkochtopf, etc. alles verkauft hat, was man im Haushalt so benötigt.
Man konnte diesen Laden mit seinem Problem betreten, wurde gut beraten und mit Ersatz versorgt.
Dieser Laden nun hat vor 5 Jahren seine Tore geschlossen und bislang hat niemand wieder diese Lücke gefüllt.
Wo bekomme ich nun für meinen Schnellkochtopf ein neues Ventil, eine neue Gummidichtung oder ähnliches? - Richtig! Irgendwo in den Weiten des Internets.

Dann wollte ich mich am Wochenende über Overlock-Maschinen informieren...

Früher gab es hier mal so einen Pfaff-Nähmaschinen-Laden (der aber auch andere Fabrikate führte), der auch Wolle, Nähnadeln, Näh- und Overlockmaschinen, Garne und alles, was man zu diesem Thema brauchen konnte, im Sortiment hatte.
Die 3 Mitarbeiterinnen, die dort tätig waren, hatten immer eine unglaubliche Geduld mit mir und meinen Fragen und auf fast jede Frage eine Antwort und auch ein Schaustück.

Im Internet habe ich die Adresse des Ladens noch gefunden. Es kann also nicht allzu lange her sein, dass auch dieser Laden seine Tore geschlossen hat.
Will ich mich jetzt also wirklich wieder über dieses Thema beraten lassen, müsste ich nach Lübbecke, Herford und / oder Hannover fahren.
Das sind für eine paar Informationen mindestens 60 km zuviel für meinen Geschmack.

Mindens größtes Kaufhaus hat in den letzten 2 Jahren aufwändig umgebaut und erweitert.
Nun befinden sich jede Menge Shop-in-Shop-Boutiquen darin, die hautsächlich Mode verkaufen, aber die "Haushaltswarenabteilung" wurde bereits im Vorjahr geschlossen und begraben.

Ich finde diese Entwicklung doof.
Bald ist es wirklich soweit, dass ich alles, was ich haben will oder brauche, nur noch über das Netz beziehen kann, weil es der "Fachhandel" nicht mehr führt.
Oder, was noch schlimmer wäre: Gewisse Dinge sterben einfach komplett aus, weil es "keinen Markt" mehr dafür gibt. Geht etwas kaputt, kauf es neu. Belebe die Wirtschaft oder so, heißt es dann.

Einzelhandel, quo vadis?

Kommentare:

Schnute hat gesagt…

Direkt in der Bielefelder Innenstadt gibt es noch einen wunderbaren Laden, in dem man alles vom nötigen Nähzubehör inkl. Maschinen bis zu einem genialen Knopf-Sortiment findet. Die Beratung in dem Laden ist bisher immer klasse gewesen.

Wie wäre es mal mit einem Kaffee hier?

Gruß
Ute

Inox hat gesagt…

Es ist ja nicht nur im Kleinen so. Die großen Firmen und Konzerne versorgen ihre Mitarbeiter und Niederlassungen ebenfalls über zentralen Einkauf und missbrauchen den Fachhandel vor Ort für den unbequemen Kleinkram, der nicht viel bringt aber viel Arbeit macht. Selbst Städte und Gemeinden pumpen so die Gelder in andere Kreise und jammern dann, wenn ihnen die Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen und vor Ort mal eben auf die schnelle nichts mehr zu kriegen ist.
Aber so lange es sich noch lohnt ein paar Einkäufer einzustellen, die 3 Tage lang europaweit anfragen, wo denn der günstigste Schraubendreher zu bekommen ist und sich in der Zeit eine ganze Kolonne auf der Baustelle langweilt, weil sie kein Werkzeug hatt, bleibt es eben wie es ist. ...das Geld muss ja irgendwie weg...
So, das musste jetzt mal raus ;)

Nictom hat gesagt…

Naja, was bleibt einem übrig?
Ich habe noch nie etwas bei Ebay ersteigert noch verkauft. Meine Kollegin geht ab und an auf Flohmärkte und verkauft dort ihren Kram, den sie seit Jahren nicht mehr braucht. Nicht wirklich bequem. Gebrauchte Dinge, wenn ich diese denn suche, würde ich eher in dem Kleinanzeigenteil in der Zeitung suchen. Aber auch hier wird es immer weniger werden.
Tja, ich jedenfalls versuche in Zukunft auch kleineren Geschäften eine Chance zu geben. Meine 16 Termine bei einem großen Möbelhaus (Familienbetrieb allerdings mir drei oder vier riesigen Filialen) für Schlafzimmer, Wohn und Esszimmer reichen mir jedenfalls, dieses Geschäft nicht mehr zu betreten.
Hingegen hat ein kleines Familienunternehmen Tobi und mich glücklich gemacht, als wir dort unseren Tisch und die Stühle für den Wintergarten bestellten. Prompte Lieferung und der Aufbau war inklusive. Zwar etwas teurer, als das große Geschäft, aber ich musste nicht 10 zusätzliche Termine hinnehmen, an denen ich Zuhause sein musste.

Es hat aber auch seinen Preis.
Hingegen haben meine Schwester und ihr Freund ihre neue Küche recht günstig und mit guter Beratung in einem Küchenfachgeschäft gekauft, oben erwähntes großes Möbelhaus hatte schon eine erbärmliche Küchenberatung. Tobi und ich haben uns dort ebenfalls nach einem zusätzlichen Küchenmöbel umgeschaut, aber dank deren Fehlbestellung ein anderes Möbelstück dorthin gestellt. Chaotisch dieser Laden...

Tja, Megastores, Internet-Handel, Europaweite Ausschreibung etc... wir werden sehen, wohin das führt.

Erstmal wünsche ich eine gute Nacht!

Svenja-and-the-City hat gesagt…

Die Geiz-ist-geil-Mentalität geht mir auch total auf den Senkel. Wenn bei uns im Dienst das neue knallrote MediaMarkt Prospekt herumliegt, dann fressen die Jungs das regelrecht in sich hinein.
Sie kaufen nicht das, was sie haben wollen, sondern sie kaufen das, was sie gerade günstig irgendwo "schießen" können.
Das hat irgendwie etwas Unsympatisches.

Perle hat gesagt…

@Schnute:
Oh ja... Shoppen in Bielefeld ist eine prima Idee. Ich bräuchte sowieso mal wieder ein paar hübsche Verschlüsse, Bänder und ähnliches Nähzeugs..
Ich komme darauf zurück.
Bis zum Weihnachtsmarkt ist es ja auch nicht mehr so weit ;-)