15. Mai 2006

Kurventraining zu Muttertag

Kurventraining zu Muttertag

Tja, wer hätte gedacht, dass ich es jemals schaffen würde, 35 km auf einem Parkplatz abzureißen ?

So geschehen am heutigen Muttertage, damit die Perle was für Ihre Kurven tut…

(Gemeint ist natürlich die Kurvenlage, denn mit meinen eigenen ist Inox soweit noch

zufrieden )

Wider Erwarten war ich heute Morgen doch schon vor dem Wecker wach. Soll heißen, ich konnte vor lauter Aufregung nicht mehr schlafen und habe mich um 6.00 Uhr in die Küche geschlichen, um erst mal ein ausgiebiges Frühstück in Form von drei Tassen Kaffee zu mir zu nehmen. Noch schnell die Muttertagsgrüße loswerden (bevor die in dem Stress heute untergehen) und ab in den neuen Kombi.

Um viertel nach sieben hab ich mich dann von Inox verabschiedet und bin erst einmal tanken gefahren, damit ich nicht eventuell noch auf dem Weg zum Training liegen bleibe. An der Tankstelle musste ich schnell noch meine Handschuhe wechseln, da es doch etwas (!!!) frisch war mit 9°C. *bibber*

Danach ging es dann frisch aufgefüllt ab nach Paderborn, auf dem schnellsten Wege über die B482, auf die A2, dann auf die A33 und überpünktlich um halb neun in Paderborn angekommen. Leider noch nicht auf dem Übungsplatz, denn den habe ich dann erst mit einer Punktlandung um 9.00 Uhr zum verabredeten Zeitpunkt nach meinem obligatorischen Verfahrer erreicht.

Kaum angekommen, blieb mir für ein „Guten Tag allerseits“ keine Zeit, denn nun musste ich aber so was von dringend aufs Panikklo, dass ich für solche Höflichkeiten nichts mehr übrig hatte. Zum Glück hatte die bereits versammelte 15-köpfige Damenmannschaft dafür vollstes Verständnis.

Es ging dann auch sofort los mit der allgemeinen Begrüßung: „Wer bin ich? Woher komm ich ? Und was will ich hier überhaupt? Womit habe ich meine Probleme und warum?“.

Was soll ich sagen? Diese nette Begrüßungsrunde hat ein knappes Stündchen gedauert in der ich (natürlich !) nicht die ganze Zeit die Klappe halten konnte und so schon die ersten Kontakte geknüpft habe.

Danach ging es in Richtung Möp, Aufstellung, Helm auf und bitte den Kinnriemen schön fest

ziehen. Glück denen, die einen Doppel-D-Verschluss hatten, denn die konnten das schnell mal nachjustieren. Bei mir gab es soweit nichts zu deuteln, von meinem „unmöglichen“ Schuhwerk einmal abgesehen. Ich musste sogar extra dafür unterschreiben, dass ich mit „ungeeignetem“ Schuhwerk zum Training erscheine.

Um 10.00 Uhr hieß es dann endlich: „Start your engine!“, rauf auf die Böcke und im Entenmarsch um die Hütchen, zwischen die Hütchen und um die Hütchen drum herum. Im Slalom, stehend, stehend mit einem Bein (anderes neckisch auf den Soziussitz geparkt), mit einer Hand, freihändig (*Scherz*) und mit beiden Beinen hockend auf der Sitzbank. Boah, ich hätte nie gedacht, dass ich das alles schaffe, geschweige denn, dass die ganze Damenriege das überlebt. Hut ab, Mädels.

Bei dieser Einführungsrunde haben wir immerhin schon fünf Kilometer verfahren. Wohlgemerkt: immer in der Runde auf dem Parkplatz. Gut nech?

Nach diesen Runden hieß es wieder absteigen und zusammen scharren, um zu diskutieren, wie man wohl lenken müsste, um eine rechte oder linke kurve zu fahren.

Madame Oberschlau (also wieder die Perle ) hatte sofort eine Antwort parat, nämlich: „Wenn ich nach rechts will, zupfe ich einfach an der linken Lenkerseite, richtig???“ FALSCH!

Nach ausführlichen Diskussionen (und glaubt mir, die Diskussionen sind bei 20 Frauen gerne mal lang… ) kamen wir zu dem Entschluss, dass nicht links gezogen wird, sondern rechts gedrückt werden soll, damit man nicht verkrampft am Lenker hängt. So, Perle. Setzen, 6!

Weiter ging es mit kleinen Kurven, bzw. Kreisen.

Wohin guckt das gemeine Hausweibchen??? Richtig : zur Kurvenmitte! Und wie ist das Fahrverhalten dabei??? Richtig: Scheiße ! (Es wurde unglaublich viel geflucht ) Also steigen wieder alle ab und beratschlagen, warum wir uns wohl derart dümmlich anstellen und wie Abhilfe zu schaffen sei.

Endlich kommt die rettende Idee, nämlich dass man immer zum Kurvenausgang blicken muss, denn das da Hütchen stehen, die man übermölmern könnte, wissen wir auch so. Also immer nur einen kurzen Kontrollblick nach unten, ob das Hütchen auch wirklich dort steht, wo man es vermutet und schnell wieder den Kopf heben. Denn merke: „Scheiße gucken

; scheiße fahren!“ Lernerfolg eins für ein und alle Mal!:D

Nachdem wir das verinnerlich hatten, durften wir wieder aufsteigen und Ausweichhaken ohne Bremsen mit ca. 30 km/h testen. Wow… geht ja viiiiel besser als vorher. Lernerfolg Nummer zwei!

Gaaaaanz wichtig dabei: Immer schön geradeaus gucken und nicht auf die Pylonen. Dann klappt es auch mit der Hinterradbremse….

Vor dem Mittagessen wird noch eine kurze Vorführung einer jeden Teilnehmerin gefordert, bei der jede ihr bisheriges Notbremsmanöver zu zeigen hatte. Also Vollbremsung aus 30 – 35 km/h und zwar so, wie wir es auf der Straße auch tun würden, wenn uns etwas in den Weg springt. Perle steht nach ca. 10 Metern mit quitschendem Hinterrad und ist etwas (!)stolz auf sich.

Aber ob das nun so richtig war, durfte ich erst nach der einstündigen Pause erfahren, in der wir zur nächsten Pizzeria gefahren sind, wo unser vorbestelltes Mahl schon auf uns wartete.

Während der Mittagspause wird viel geklönt, wenig Benzin geredet, dafür umso mehr, wie Frau ans Motorrad gekommen ist, wie viel Spaß es macht und überhaupt.

Die eine bekommt eine Buell zum Führerschein, die andere hat keinen Bock mehr, immer nur hinten drauf zu sitzen und immer nur die rechte Seiten an sich vorbeiziehen zu sehen und wieder andere überleben unglaubliche Unfälle UND steigen todesmutig trotzdem wieder auf ihre Böcke, weil Motorradfahren einfach süchtig macht.

(Ich stelle gerade fest, dass „und“ eins meiner Lieblingswörter ist. Asche auf mein Haupt. Habe ich denn gar nichts in der Schule gelernt?

So gaaaaaanz nebenbei bekomme ich mit (Perle hat ihre Ohren überall!), dass wir Frauchen das, was wir eigentlich erwarten zu lernen (nämlich ohne hängender Zunge in einer anscheinend üblichen Herrenrunde mit zu kommen), offensichtlich nur bei einem Fahrertraining auf der Rennstrecke erlernen könnten. Aha… Frau höre und staune!

Denn merke drittens: Wer sich an die Straßenverkehrsregeln hält, ist nicht automatisch ein schlechter Fahrer… Und wenn vor einer Kurve 50 km/h steht, dann hat das meistens einen guten Grund.

Wieder zurück auf dem Parkplatz kommen wir nun zum Notbremsung.

Es wird voll gebremst aus 30 km/h, erst nur mit der Hinterradbremse, dann nur mit der Vorderradbremse und schlussendlich, wenn man alles soweit im Griff hatte, mit beiden Bremsen zugleich. Natürlich nicht ohne vorher ausführliche Diskussionen darüber geführt zu haben, welchen Bremsanteil welche Bremse dabei hat. Hinten darf man voll bremsen (wieder gaaaanz wichtig: nach vorne gucken dabei) und vorne nur zu 80%, um keinen Flieger zu machen.

Ich kann Euch sagen, das kann dauern, bis 20 Frauen von zwei Instruktoren das Bremsen lernen und die Übungen immer wiederholen. Aber wir sind ja nicht nur zum Spaß hier. Und so hat man sich nebenbei ne Menge zu erzählen. Perlen machen sich vor allem besonders beliebt, wenn sie die Tatsache äußern, dass es ausgesprochen nett wäre, dass endlich mal alle Frauen gleich besch… auf dem Kopf zuständen.

So macht man sich auch Freunde.

Irgendwann war auch die Bremsübung vorbei, ein neuer Parcour wurde aufgestellt, während wir darüber spekulierten, wie schnell man wohl an der Bremsmarke aus Tempo 50 vorbeifährt, nachdem man eine Vollbremsung aus Tempo 70 gemacht hat. (Es wurde offenbar, dass wir alle schon lange nicht mehr die Schulbank drückten, denn ERRECHNEN konnte das keine mehr von uns. Aber unsere Schätzungen mit „um die 50“ war korrekt. )

Nun konnten wir üben, üben, üben, was uns die beiden Herren vom Dienst den ganzen Tag versucht haben, beizubringen. (Übrigens ein Lob an die beiden unglaublich langmütigen Jungs, die echt die Nerven mit unserem geschwätzigen Hühnerhaufen behalten haben. )

Es wurden Kreise gezogen, dass es eine Freude war, Häuserecken waren kein Problem mehr und über Ausweichhaken konnten wir nur noch lachen. (Zumindest in Parkplatzgeschwindigkeit )

Zu guter Letzt haben wir gruppenweise noch darüber spekuliert, wo und wie man (natürlich immer nur theoretisch) eine Kurve an- und durchfahren sollten, um auf der sicheren Seite zu sein. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Auf jeden Fall sollten wir zukünftig auf unserer Straßenseite (sprich: rechts) mindestens einen Meter Abstand zur Fahrbahnmitte halten, damit wir auch nicht in Schräglage womöglich auf die falsche Fahrbahnseite gelangen. Richtiges Abbremsen vor den Kurven ist auch immer schlau. Möglichst den richtigen Gang drin haben, bevor man in der Kurve ist und ansonsten die Kurve ( das haarige Monster ) schon von außen her anfahren, um schön weit gucken zu können, denn (Regel Nummer EINS: ) „scheiße gucken, scheiße fahren…“

Mit all diesen guten Ratschlägen und 35 Kilometern mehr auf der Uhr ging es dann flott nach Hause, wobei die Autobahnauffahrten mit einem Mal erstaunlich gut zu befahren waren. (Ist wohl doch was hängen geblieben.)


Nachtrag:

Knapp einen Monat später habe ich dann noch ein FST gemacht. Diesmal mit dreifacher männlicher Begleitung. Das Training in Paderborn Mönkeloh war natürlich nicht weniger lustig. Wer mag, kann das gerne hier auch noch einmal nachlesen.

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